Bundespräsident besucht Grenzdenkmal Hötensleben

8. August 2008

Das THW Helmstedt unterstützte die Stadt Haldensleben (Partnerstadt von Helmstedt) bzw. das THW Haldensleben beim Aufbau von zwei SG 30 Zelten und der Organisation von Getränken.
Nach dem offiziellen Teil ergab sich die Möglichkeit, dem Bundespräsidenten ein kleines Präsent zu übergeben.
Herr Köhler bedankte sich bei den Kameraden für die freundliche Unterstützung und lud zu einem Gruppenfoto ein.

Das THW Helmstedt bedankt sich bei:
Herrn Dr. Scherrieble, THW Haldensleben, Fr. Dr. Wiegand (BPRA),
Fr. Steins (BPA), LKA (Personenschutz).

 

Bildergalerie

Pressebericht Braunschweigerzeitung

www.bundespraesident.de

 


 

Hötensleben/MZ.

Text: Hendrik Kranert
Quelle: www.mz-web.de

Dieter Buchwald ist zufrieden: "Beim dritten Mal scheint es ja nun zu klappen", sagt der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Hötensleben im Bördekreis. Aus Richtung Helmstedt rollt jede Menge Blaulicht und ein Maybach mit der Standarte des Bundespräsidenten an. Horst Köhler holt diesmal per Auto nach, was mit dem Hubschrauber wegen schlechten Wetters zweimal gescheitert ist.

Mitten auf dem ehemaligen Todesstreifen der einstigen innerdeutschen Grenze steigt Köhler mit seiner Frau aus dem Wagen. Für Bürgermeister Buchwald und den Vorsitzenden des Grenzland-Vereins, Achim Walter, ist Köhlers Besuch mehr als nur eine Geste. "Er hebt unsere Gedenkstätte auf eine Stufe mit Marienborn", sagt Buchwald. Marienborn hätten nur die Transit-Reisenden aus Westberlin oder dem Westen gesehen, nicht aber die DDR-Bürger. "Für viele war Hötensleben statt dessen Realität", ergänzt Walter.

Weihnachten kamen die Familien drüben im Westen, im kaum zwei Kilometer entfernten Schöningen, an die Grenze, um für die Hötenslebener zu singen. Im Osten, mit Blick auf Streckmetallzaun und Lkw-Sperren, durften sie nicht mal winken. Buchwald und Walter hatten nach der Wende mit gewaltigem Widerstand zu kämpfen, damit die Erinnerung daran kein Opfer der Bagger und Schrotthändler wurde. "400 Unterschriften gab es gegen mich, das ging an die Existenz", erzählt Buchmann, der seit 1989 für die CDU Bürgermeister in dem 2 600-Seelen-Ort ist, dem Bundespräsidenten. Um so schmerzlicher empfindet es Buchmann, dass Schüler heute, kaum 20 Jahre nach dem Ende der Teilung, kaum noch etwas darüber wissen.

Es ist ein Thema, dass auch Horst Köhler umtreibt, als er das unverändert gebliebene Stück Grenzstreifen in Hötensleben am Freitag besichtigt. "Die Umfragen sind ein Warnsignal, da muss was geschehen, das darf man nicht nach zwei Wochen wieder versanden lassen", sagt Köhler. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) plädiert angesichts der desaströsen DDR-Kenntnisse von Schülern in Ost und West für den verpflichtenden Besuch nicht nur in NS-Gedenkstätten, sondern auch in jenen, die an die deutsche Teilung erinnern. Köhler wägt ab: Ein Tabu sei das für ihn nicht, "ich würde eine Diskussion über die Besuchspflicht nicht ausschließen, würde aber den freiwilligen Besuch vorziehen", sagt er. Minuten später sitzt Köhler in einem THW-Zelt inmitten einer Runde von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Europa.

Freiwillig sind sie hier, und viele von ihnen nicht zum ersten Mal. Drei Wochen lang arbeiten Italiener, Franzosen, Serben, Russen, Armenier, Türken und Deutsche gemeinsam auf der Gedenkstätte in Hötensleben und halten sie in Schuss. "Wir haben einen Kabelkanal geschachtet, damit wieder Licht im Wachturm installiert werden kann", erzählt Olga. Ein Knochenjob, nicht nur für die junge Deutschlehrerin aus Woronesh. Marco aus Serbien möchte auf diese Weise einen Teil der deutschen Geschichte kennenlernen, der für ihn Parallelen hat zur Geschichte des früheren Jugoslawiens und seines heutigen Heimatlandes. Der Bundespräsident ist gerührt und beeindruckt. "Es ist ein Wunder, ein wirkliches Geschenk, dass wir mitten im ehemaligen Todesstreifen sitzen, um zu reden", sagt Köhler den jungen Menschen.