08.10.2014

Erfahrungsbericht: Gemeinsames Übungswochenende

Drei THW Ortsverbände üben mit der Hundestaffel aus Goslar. Das Programm bestand aus dem Sichern eines einsturzgefährdeten Hauses und einer Vermisstensuche bei Nacht.

Die Helfer werden eingewiesen und Aufgaben werden verteilt

„Es gab eine Gasexplosion. Vier Personen werden noch vermisst.“, alarmierte uns Markus Maßny, stellvertretender Ortsbeauftragter vom THW Peine. Wir lassen sofort alles stehen und liegen und sind schon auf dem Weg zum Einsatzort. Es ist Samstagabend, ca. halb acht Uhr, am 13. September 2014. Mein Multifunktionseinsatzanzug (MEA), so nennen wir unsere Uniform, ist noch von vorhin durchnässt als wir im Nieselregen gearbeitet hatten. Doch solche Überlegungen sind jetzt egal, denn es gilt die vier vermissten Personen zu finden.

Am Einsatzort angekommen stehen wir vor einem riesigen Trümmerhaufen. Die Rauchschwaden, die aus dem in der Gasexplosion zusammengestürzten Gebäude zu uns herüberwehen riechen nach verbranntem Holz. In der Umgebung gibt es keine funktionierende Straßenlaterne, sodass wir nur im Schein unserer Taschenlampe erahnen können vor welcher Mammutaufgabe wir stehen. Zum Glück ist auch die Rettungshundestaffel aus Goslar gerufen worden und hilft mit ihren Hunden bei der Suche mit. 

Zuerst brauchen wir Licht. Die Kameraden vom THW Peine haben ihren Stromerzeuger mit Lichtmast dabei. Die 2x 400W und 2x 1000W Strahler erhellen den Trümmerhaufen. Jetzt teilen uns die Gruppenführer ein. In jeder Gruppe sind Helfer jeweils aus den THW Ortsverbänden Helmstedt und Peine. Meine Gruppe besteht aus zwei weiteren Helfern und wir sollen den Trümmerhaufen von rechts herum absuchen. Wir machen uns mit Helmlampen auf den Weg.

„Hallo! Ist hier jemand? Können Sie mich hören?“, rufen meine Kameraden und ich abwechselnd, immer in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen. Doch es bleibt stumm und wir gehen immer weiter. Mühsam bahnen wir uns einen Weg durch die Trümmer, die von dem eingestürzten Gebäude übrig geblieben sind. Durch eine eingestürzte Decke entdecken wir einen Kellerraum. Doch auch hier erhalten wir keine Antwort auf unsere Rufe. Der restliche Keller sieht stabil aus und wir beschließen dort weiter zu suchen. Unser Truppführer meldet über Funk an die Einsatzleitung, dass wir jetzt in den Keller gehen. 

Etwas später, wir haben den Keller hinter uns gelassen, treffen wir auf einen Hundeführer. Er bittet uns ruhig zu sein und etwas zurück zu treten, damit sein Hund nicht abgelenkt wird. Das ist mein erstes Mal, dass ich einen Hund bei der Menschensuche sehe. Fasziniert sehe ich zu, wie der kleine Hund mit braungelbem Fell schnüffelnd durch die Trümmer läuft und akribisch jeden Zentimeter einzeln absucht. Später werde ich erfahren, dass Rettungshunde Menschen auch in zwei Meter Tiefe noch aufspüren können.

Da wir gerade nicht weiter kommen, warten wir kurz. Mit fällt wieder auf, dass es immer noch regnet und meine Hose anfängt vollends durchzuweichen. Den ganzen Tag haben wir schon im Regen gearbeitet. Da waren auch Helfer vom THW Ortsverband Sarstedt mit dabei, die aber nach dem Abendessen abgereist sind. In kleineren Gruppen hatten wir tagsüber ein einsturzgefährdetes Haus gesichert. Dabei mussten wir eine Decke abstützen und ein Fenster aussteifen. Ich war bei der Gruppe dabei, die den Treppenabsatz wieder trittsicher gemacht hat. Das waren alles keine leichten Aufgaben und der Regen hat es nicht einfacher gemacht. Mit dem Gedanken wollte ich mir gerade etwas zum Hinsetzen suchen, als der Hund aus den Trümmern zu seinem Herrchen zurückkehrt und wir weiter können. 

Über Funk erfahren wir, dass bereits drei der vermissten Personen gefunden wurden und in Sicherheit sind. Wir sind erleichtert, wissen aber, dass wir noch eine weitere Person suchen. Meine Gruppe war schon über den ganzen Trümmerhaufen gegangen und wir wissen nicht wo wir noch suchen sollten. Im Vorbeigehen hören wir, wie zwei Hundeführer sich darüber unterhalten, dass ein Hund im Keller Anzeichen gemacht hatte, dass dort etwas sein könnte aber nicht angeschlagen hatte. Das nehmen wir uns zum Anlass noch einmal zum Keller zurück zu gehen. Und tatsächlich, in einer kleinen Nische, von Schutt überschüttet, durch Staub bedeckt und kaum zu erkennen, entdecken wir die letzte vermisste Person. Wir stellen fest, dass die Person Bewusstseinsstörungen hat und stark am Kopf blutet. Über Funk versucht unser Truppführer sogleich die Einsatzleitung zu informieren doch wir bekommen keine Rückmeldung, vermutlich sind alle Kanäle belegt. Wir versuchen den Verletzten anzusprechen und bewegen ihn bereits aus dem Schutt ins Freie und verbinden die Kopfwunde.

Dann geht alles ganz schnell. Die Verstärkung trifft ein. Mit der Bergeschleppe ziehen wir die Person aus dem Keller. Dann binden wir sie im Schleifkorb ein, tragen sie zu sechst durch den Trümmerhaufen hinaus zur Einsatzleitung und übergeben sie den Sanitätern. 

Damit geht eine realitätsnahe Übung zu Ende. Im Nachtlager haben wir noch eine Nachbesprechung. Dort erfahre ich auch, dass wir länger als eine halbe Stunde gesucht haben und die Rettungshunde zwischenzeitlich ausgetauscht wurden. Es ist auch interessant zu erfahren, wie die Rettungshunde arbeiten und ausgebildet werden.

Ich lasse noch einmal den Tag Revue passieren: Tagsüber, im andauernden Nieselregen, haben wir ein einsturzgefährdetes Gebäude gesichert. Als wir schon hofften, dass wir nach dem Abendessen entspannt den Abend genießen könnten, wurden wir zur Personensuche gerufen. Jetzt bin ich aber froh, dass ich den nassen Einsatzanzug ablegen darf und wir in trockener Kleidung noch gemütlich zusammensitzen. – Eine insgesamt gelungene Übung der THW Ortsverbände Helmstedt, Peine und Sarstedt, sowie der Rettungshundestaffel 1. RHV Goslar. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und die Erfahrung gemacht zu haben. 

- Georg Link, 25

 

Bericht aus Sarstedt über die erste Hälfte der Übung


  • Die Helfer werden eingewiesen und Aufgaben werden verteilt

  • Der Lichtmast beleuchtet den Trümmerhaufen

  • Das THW und die Rettungshundestaffel suchen nach den vermissten Personen

  • Rettungshund ist einsatzbereit

  • Um entlegenere Ecken auszuleuchten, wird ein Verlängerungskabel gelegt

  • Unter den Trümmern wurde eine vermisste Person entdeckt

  • Die vermisste Person ist in Sicherheit

  • Zum Glück war dies nur eine Übung, was die Gute Laune der Statistin zeigt

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